Kann man im Job motiviert bleiben, auch wenn er keine Freude macht? Lange galt in der Psychologie: Nur wer etwas aus innerem Antrieb tut – also aus Freude an der Sache – ist wirklich motiviert. Wer sich dagegen vor allem durch äußere Anreize wie Geld, Lob oder Druck antreiben lässt, verliert meist schnell die Motivation. Doch neue Studien zeigen: Es gibt eine Form der Motivation, die uns auch dann trägt, wenn der Spaß fehlt – und gleichzeitig unsere Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden stärkt. Entdecken Sie jetzt, wie Sie diesen Turbo-Antrieb für sich selbst und im Job nutzen können.
Stellen Sie sich vor: Sie haben einen Fußmarsch von über 4.000 Kilometern vor sich – durchqueren monatelang Wüsten, Gebirgsketten, bei Wind und Wetter,
extremer Hitze und Kälte. Der Pacific Crest Trail (PCT) bietet eine solche Herausforderung, denn
er gehört zu einer der härtesten Langstreckenwanderwege der Welt. Der Trail im Westen der USA führt
von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze. Jedes Jahr machen sich Tausende auf den Weg, setzen sich Gefahren und extremen Strapazen aus. Viele Hiker halten nicht bis zum Ende durch. Warum
geben sie vorzeitig auf, warum erreichen sie nicht ihr Ziel? Genau diese Frage stellte sich der
Psychologe Prof. Kennon Sheldon von der University of Missouri – und machte den Trail zu
einem Live-Experiment über menschliche Motivation*. Seine Erkenntnisse revolutionierten die
Psychologie – und liefern erstaunliche Parallelen zum Berufsleben.
In der Wissenschaft unterscheidet man seit den 1970er Jahren zwei Arten von Motivation:
Zahlreiche Studien zeigten, dass wir bei intrinsischer Motivation engagierter und effektiver sind. Extrinsische (materielle) Belohnungen hingegen bergen das Risiko, dass sie langfristig weniger dazu motivieren, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun. Auf die einfache Kurzformel gebracht: Intrinsische Motivation galt als "gut", extrinsische Motivation eher als "schlecht" und nicht nachhaltig.
Doch in der Praxis zeigte sich ein Problem: Diese Sicht auf Motivation erklärt nicht, warum Menschen auch dann durchhalten und weitermachen, wenn eine Aufgabe extrem anstrengt und keine
Freude macht. Könnte es sein, dass nicht jede extrinsische Motivation per se "schlecht" ist?
Kommen wir zurück zum Motivations-Experiment von Prof. Sheldon. Auf dem Pacific Crest Trail zeigte sich, dass bei fast allen Hikern die intrinsische Motivation im Laufe der Wanderung sank. Kein Wunder: Wenn die Füße bluten, die Vorräte knapp werden und die Nächte eisig sind, verlieren selbst die leidenschaftlichsten Wanderer irgendwann den Spaß. Was motiviert sie dann zum Weiterlaufen? Die Antwort: Nicht Freude, nicht Belohnung, sondern ein für sie bedeutsamer Sinn und Zweck! Die erfolgreichsten Hiker verbanden ihre Anstrengung mit einem tieferen „Warum“: Sie wollten innere Stärke finden, ein Trauma verarbeiten oder das Leben aus einer neuen Perspektive sehen. Diese Erkenntnis führte Prof. Sheldon zu einer neuen Theorie der Motivation: dem Relative Autonomy Continuum (RAC).
Das Relative Autonomiekontinuum beschreibt Motivation als ein Spektrum – von völlig fremdbestimmt (= geringe Autonomie) bis vollständig selbstbestimmt (= hohe Autonomie). Nach Prof. Sheldon lassen sich auf einem Kontinuum 4 Formen der Motivation unterscheiden:
Beim Pacific Crest Trail-Experiment waren es vor allem die Wanderer mit identifizierter Motivation, die durchhielten – und am Ende auch am glücklichsten waren. Was genau ist "identifizierte Motivation"? Dies ist eine Form der extrinsischen Motivation, bei der eine Aktivität nicht um ihrer selbst willen Spaß macht, sondern weil sie als persönlich bedeutsam und wertvoll angesehen wird. Bei den Trail-Hikern bedeutete dies: Sie wanderten weiter, weil es mit ihren tiefsten Werten und Zielen (z. B. Ausdauer, Selbstfindung, Erreichen eines großen Lebensziels) übereinstimmte und nicht mehr nur, weil es Vergnügen bereitete. Gerade die identifizierte Motivation wirkt wie ein Turbo. Sinn trägt auch dann, wenn die Aufgabe selbst keine Freude mehr macht.
Die Erkenntnis:
Es geht nicht darum, was Sie tun, sondern warum Sie es tun und ob
dieses "Warum" in Einklang mit Ihren tiefsten Überzeugungen steht.
Schwierige Gespräche führen, Steuererklärungen vorbereiten, zermürbende Projekte zu Ende bringen - seien wir ehrlich: Weder im Job noch im Leben macht immer
alles Spaß. Es ist nur verständlich, dass wir manchmal darauf "wenig Bock haben". Sehen wir jedoch solche Tätigkeiten nicht nur als lästige Pflicht, sondern verbinden
sie mit einem uns wichtigen, übergeordneten Ziel, dann verändert das alles.
Beispiel:
Diese bewusste Verknüpfung zwischen Aufgabe und übergeordnetem Ziel bzw. persönlichem Wert – etwa Wachstum, Kompetenz oder Verantwortung – aktiviert die
identifizierte Motivation. Und genau sie schützt vor Erschöpfung und Burnout. Denn:
Sinn gibt Energie, selbst wenn Spaß fehlt.
Natürlich ist es schön, wenn Arbeit Spass macht. Doch noch wichtiger ist es, dass sie für uns Sinn macht. Gerade bei langen oder anspruchsvollen Projekten, wenn der anfängliche Schwung nachlässt, braucht es eine starke Motivation, mit der wir uns identifizieren können. Wer seine Arbeit mit dem verbindet, was ihm wirklich wichtig ist, erreicht Ziele leichter und bleibt gesünder. Unternehmen können die Motivation ihrer Mitarbeiter entscheidend fördern: Nicht mit "Tschakka-Events", sondern mit echter "Purpose-Arbeit", bei dem ein klares Leitbild mit Mission, Vision und Werten, Orientierung und Bedeutung geben.
Sie haben Lust auf ein persönliches "Motivations-Upgrade"?
Dann lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, was Sie wirklich antreibt – für mehr Klarheit, Energie und innere Stärke im Job.
*Quelle: Studie von Kennon M. Sheldon: Going the Distance on the Pacific Crest Trail: The Vital Role of Identified
Motivation, in: Motivation and Emotion, May 2, 2019
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